Die Weiselberg Gipfeltour beginnt im Laubwald-Tunnel und endet mit Panorama – 16,3 km, die sich lohnen.
Vom Waldpfad zum Gipfelkreuz – ein Tag auf dem Weiselberg
Wer morgens früh am Parkplatz des Weiselbergbads im Freisener Ortsteil Oberkirchen (Landkreis St. Wendel) losmarschiert, bemerkt schnell: Diese Tour hält, was ihr Name verspricht. Die Weiselberg Gipfeltour ist ein zertifizierter Premiumwanderweg, und das spürt man von der ersten Minute an – an der Wegmarkierung, an der Abwechslung, an der Tatsache, dass man kaum einen langweiligen Meter läuft.






Der Einstieg: Laubbaumtunnel und erste Naturdetails
Der Auftakt führt über naturbelassene Treppenstufen in einen dichten Laubbaumtunnel – das Blätterdach schließt sich förmlich über dem Weg, das Licht fällt gefiltert durch. Schon in den ersten Minuten lohnt es sich, langsam zu gehen: Violett-lila Distelblüten leuchten am Wegrand, reife Schlehenbeeren hängen schwer an den Ästen, und auf der abgeernteten Weide daneben steht eine Rinderherde stoisch vor ihrem Futtergestell. Das ist kein Wanderprospekt-Klischee, das ist einfach, wie der Weg aussieht.
Bald öffnet sich der Wald auf schmale Feldwege zwischen trockenem Gras und lichtem Baumbestand – weiches Seitenlicht, das Grün wirkt bereits etwas satt und müde, wie es im Sommer manchmal ist. Wegmarkierungen an verwitterten Holzpfosten zeigen verlässlich die Richtung, man muss kaum auf die Karte schauen.
Durch Kerbtäler und an Felsformationen vorbei
Im mittleren Abschnitt wechseln sich schattige Buchenwälder mit offenen Wiesenpassagen ab. Wer auf dem schmalen Waldpfad ins schattige Laubholz läuft, merkt, wie der Alltagslärm einfach abreißt. Das Lichtspiel durch die Baumkronen ist das Einzige, was sich bewegt. Wer aufmerksam schaut, findet Pilze, Moospolster auf alten Stämmen, vielleicht sogar Spechthöhlen in morschen Eichen.
Ein echter Geheimtipp, den viele Wanderer auf dieser Route übersehen: Südlich des Gipfels liegt das sogenannte Steinerne Meer – eine Ansammlung riesiger, moosbedeckter Basaltblöcke, die der erloschene Vulkanhärtling im Laufe von Millionen Jahren hinterlassen hat. Kein Schild macht großes Aufheben darum, aber wer die Augen offen hält, steht plötzlich zwischen diesen mächtigen Brocken und fragt sich, wie lange die schon da liegen.
Der Gipfel: Kreuz, Bank und 360-Grad-Blick
Dann, nach dem letzten Anstieg über felsiges Gelände, öffnet sich das Panorama. Das Gipfelkreuz aus Metall steht markant auf der Basaltkuppe, davor eine Holzbank – und dahinter: Hügel, Felder, Windräder am Horizont, und an klaren Tagen die Ahnung der Vogesen. Von hier oben, auf 569 Metern, versteht man, warum sich um den Weiselberg so viele Mythen und Sagen ranken. Der Blick ist weit, das Plateau felsig und karg, mit Flechten und Moosen bewachsen – ganz anders als der Wald darunter.
Ich habe mir dort oben Zeit gelassen. Vesper ausgepackt, auf der Bank gesessen, die Windräder gezählt. So muss das sein.
Praktische Infos auf einen Blick
- Start/Ziel: Parkplatz Weiselbergbad, Freisen-Oberkirchen (Landkreis St. Wendel)
- Anfahrt: A 62 bis Ausfahrt Freisen, dann Richtung Oberkirchen; vor der Ortseinfahrt weist ein Wegweiser zum Weiselbergbad
- Streckenlänge: 16,3 km (Rundtour)
- Höhenunterschied: Start ca. 384 m, Gipfel 569 m
- Schwierigkeit: Mittelschwer; festes Schuhwerk mit Profil empfohlen, einzelne Abschnitte verlangen Trittsicherheit
- Einkehr: Am Weiselbergbad in Oberkirchen gibt es gastronomisches Angebot – ideal für nach der Tour
- Beste Jahreszeit: März bis Oktober; Ende September bieten Herbstfärbung und klare Fernsicht besondere Reize
- Kinder: Holzskulpturen entlang des Weges – darunter ein Bär und eine Hexenfigur – machen die Tour auch für Familien attraktiv
Was du einpacken solltest
Wanderschuhe mit Profil sind Pflicht – der Weg wird nach Regen rutschig, besonders auf den Basaltfelsen nahe dem Gipfel. Ansonsten: Wasser, ein Vesper für die Bank oben, und eine Jacke für den Wind auf dem Plateau. Kamera nicht vergessen – das Lichtspiel im Laubwald am Morgen und der Weitblick vom Gipfelkreuz sind zwei völlig verschiedene Motive.
Die Tour liegt im Naturpark Saar-Hunsrück, was auch die Qualität der Wege erklärt – gut markiert, naturbelassen, ohne unnötige Erschließung. Wer den Weiselberg einmal gemacht hat, fragt sich danach, warum er nicht früher hier war.
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