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Lorbeerwald, Kakteen und Wolkenmeer – Rundweg über die Teno-Hochfläche

Die Teno-Hochfläche verbindet uralte Steinpfade, blühende Bauerngärten und ein Lorbeerwald-Panorama, das sich kein Foto wirklich einzufangen traut.

Auf der Teno-Hochfläche: was dich auf diesen 9,5 km erwartet

Ich war skeptisch, bevor ich losging. Neun Kilometer auf einer Hochebene – klingt erstmal flach und unspektakulär. Doch schon nach den ersten Höhenmetern merkt man, dass hier etwas ganz anderes wartet. Die Route Teno- Hochfläche (Teneriffa) ist kein Spaziergang, aber auch kein Kraftakt. Sie ist vor allem eines: ein kontinuierlicher Bilderwechsel, der einem kaum Zeit zum Durchatmen lässt.

Der Einstieg: alte Caminos und blühende Steinmauern

Der Weg beginnt auf altem Pflaster. Die sogenannten Caminos Reales – historische Handelswege der Bergbauern – sind noch in weiten Teilen erhalten. Das Kopfsteinpflaster kann bei Feuchtigkeit tückisch werden; Wanderstöcke sind keine Schwäche, sondern Vernunft. Ich habe sie gebraucht. Entlang der ersten Abschnitte begleiten dich Trockenmauern aus Naturstein, die jemand vor Jahrzehnten – vielleicht Jahrhunderten – mit bloßen Händen geschichtet hat. Handwerk, das bleibt.

Kurz darauf passierst du ein traditionelles Steinhaus, dessen Vorgarten vor roten, gelben und rosa Blüten nur so überfließt. Der Kontrast aus rustikaler Fassade und dieser Blütenpracht ist fast unwirklich – und ein ideales erstes Fotomotiv, am besten früh, wenn das Licht noch weich ist. Gleich daneben: ein blumengesäumter Dorfweg, Gelb und Rot an alten Steinwänden, blauer Himmel darüber. So fängt die Tour an.

Mitte: zwischen Lorbeerwald und Felsskulpturen

Wer aufmerksam schaut, entdeckt Felsformationen, die wie Skulpturen aus dem bewaldeten Hang brechen – ein markanter Vorsprung, der an eine menschliche Silhouette erinnert, überragt plötzlich das satte Grün. Das Gestein selbst ist mal zerklüftet und rau, mal glatt und dunkel, immer vulkanischen Ursprungs.

Dann: der Lorbeerwald. Die Laurisilva-Vegetation ist das Herzstück dieses Abschnitts. Kühl, schattig, leicht feucht – der Boden kann rutschig sein, also Obacht. Wer langsam geht, wird mit einem fast meditativen Waldgefühl belohnt. Das Teno-Gebirge gehört zu den geologisch ältesten Formationen der Insel und hat diese Waldvegetation über Jahrtausende bewahrt – ein Faktum, das man hier körperlich spürt, nicht nur liest.

Kurz bevor die Hochfläche richtig offen wird, tauchen Feigenkakteen auf. Opuntien auf vulkanischem Felsgestein, unter ungetrübtem Blau. Wer sie anfassen möchte: lassen. Die winzigen Glochiden sitzen locker und landen schmerzhaft in der Fingerkuppe.

Oben: Wolkenmeer, Atlantik und Nachbarinseln

Auf der Hochebene öffnet sich der Blick. Man steht nun auf rund 970 Metern, und wenn die Passatwolken gerade tief ziehen, schwebt man buchstäblich über ihnen. Das Wolkenband liegt auf etwa 1.000 m, der Atlantik schimmert dahinter – an klaren Tagen sind sogar die Nachbarinseln zu sehen. Ein kegelförmiger bewaldeter Hügel mit einem türkisfarbenen Wasserbecken am Fuß taucht am Wegesrand auf, dahinter tiefblaues Meer. Das Foto macht sich von selbst.

Weiße Hortensien blühen entlang der offenen Wegabschnitte, von Mai bis August sind sie üppig. Das Wolkenspektakel hier ist keine Seltenheit – bei Nordostwind zieht die feuchte Luft des Passat über die Hochfläche, taucht die Lorbeerbäume in Nebel und wechselt das Licht in Minuten von grell zu gedämpft zu dramatisch. Wer wartet, wird belohnt.

Praktische Infos für die Tour

  • Länge: 9,5 km, Start und Ende auf rund 537 m, höchster Punkt ca. 972 m
  • Anfahrt: Das Teno-Gebirge liegt im äußersten Nordwesten Teneriffas, gut erreichbar über die TF-436 ab Buenavista del Norte; alternativ mit Linienbus 355
  • Parkplatz: Wenige Stellplätze direkt im Startbereich; früh starten lohnt sich
  • Einkehr: Im Weiler Teno Alto gibt es ein kleines Lädchen mit frischem Ziegenkäse und lokalem Wein – ein echter Geheimtipp, der die Pause zur Erfahrung macht
  • Ausrüstung: Festes Schuhwerk mit Profil ist Pflicht, Wanderstöcke empfehlenswert, leichte Windjacke für die Wolkenabschnitte
  • Beste Jahreszeit: Frühling und Herbst für angenehme Temperaturen; im Sommer morgens starten, bevor die Mittagshitze einsetzt
  • Wasser: Genug mitbringen – unterwegs gibt es keine gesicherte Versorgung

Die Tour eignet sich nicht für Kinderwagen oder Menschen mit starken Knieproblemen. Wer aber gerne auf alten Wegen geht, Vegetationswechsel mag und ein Panorama sucht, das zwischen Atlantik und Wolkenmeer pendelt – der ist hier richtig.

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