Der Rümmelbach-Humberg-Weg führt durch offene Hügellandschaft, an Maisfeldern vorbei und immer wieder mit weitem Blick – was ihn besonders macht, steckt im Boden.
Wo man buchstäblich auf Urzeit-Geschichte läuft
Es gibt Wanderwege, die schön sind. Und dann gibt es welche, bei denen man nach der Tour das Gefühl hat, etwas Echtes gesehen zu haben. Der Rümmelbach-Humberg-Weg gehört für mich zur zweiten Kategorie. Schon am Startpunkt macht ein alter Brunnen mit zwei Bänken klar, dass das hier kein Tourist-Trampelpfad ist, sondern ein Weg mit Charakter – und mit Geschichte tief im Boden.








Was kaum jemand weiß: Der Weg verläuft buchstäblich auf dem Grund eines urzeitlichen Binnensees, der vor rund 280 Millionen Jahren existierte. Aus dieser Zeit stammen die sogenannten Lebacher Eier – eisenhaltige Toneisenstein-Konglomerate, die sich noch heute in grau-schmierigen Schiefersteinnestern am Wegesrand zeigen, wenn man genau hinschaut. Wer das weiß, sieht die lehmigen Felder und den steinigen Untergrund mit völlig anderen Augen.
Was dich auf dem Weg erwartet
Der Rümmelbach-Humberg-Weg startet mit einem charmanten Landleben-Gruß: Direkt am Brunnen laufen Hühner übers Gras, ein weißer Hahn posiert neben hölzernen Tier-Silhouetten – das klingt nach Kitsch, ist aber einfach wahr und irgendwie sympathisch. Danach öffnet sich der Weg schnell in eine weite, sanft hügelige Agrarlandschaft.
Besonders beeindruckt hat mich der Moment, als der Schotterweg unter einem natürlichen Eichen-Tor hindurchführt und sich der Blick plötzlich auf eine offene Kuppe weitet – strahlend blauer Himmel, Stoppelfelder, kein Lärm. Genau dort hätte ich gerne etwas länger gestanden. Kurz danach beginnt ein Abschnitt durch Maisfelder: Im Herbst stehen die Pflanzen noch hoch, die federartigen Blütenrispen schaukeln im Wind, die Ernte liegt in der Luft. Ein Detail, das man leicht übersieht, wenn man einfach durchmarschiert.
Windräder als Wegmarken
Was den Rümmelbach-Humberg-Weg visuell prägt, sind die Windkraftanlagen, die immer wieder über dem Baumkronen-Horizont auftauchen. Erst lugt eine Nabe hinter herbstlich gelb-grünen Birken hervor, dann stehen plötzlich zwei Windräder freigestellt über dem Mischwald – der Kontrast zwischen alten Eichenästen und moderner Energietechnik ist fotografisch wirklich stark. Kein klassisches Postkartenmotiv, aber ein ehrliches Bild dieser Landschaft, wie sie heute ist.
Auch ein hölzerner Hochsitz taucht am Rand eines Feldwegs auf – ein Hinweis, dass man hier morgens oder abends ruhig etwas langsamer gehen sollte. Rehe und Hasen sind in dieser offenen Agrarlandschaft keine Seltenheit.
Infotafel Haifisch-Pfad – ein kleiner Umweg lohnt sich
Unterwegs stößt man auf eine Infotafel, die auf den sogenannten Haifisch-Pfad hinweist – benannt nach Lebachacanthus, einem urzeitlichen Süßwasserhai, dessen Fossilien in dieser Gegend gefunden wurden. Ich hab kurz angehalten, gelesen, dreimal gestaunt. So etwas erwartet man nicht auf einem Spaziergang durch Felder und Wald.
Das Wandergebiet Lebach-Nord, in dem der Weg liegt, ist gut markiert – unterwegs gibt es weiße Wegweiser an Baumstämmen, die die Orientierung einfach halten. Trotzdem empfehle ich, die Route vorab auf Komoot oder als GPX zu laden, vor allem wenn man die Abzweigungen zu den Aussichtspunkten mitnehmen möchte.
Praktische Infos
- Charakter: Rundweg, moderat, für Familien geeignet
- Untergrund: Schotterwege, Feldwege, einzelne Waldabschnitte – festes Schuhwerk empfohlen
- Rastmöglichkeit: Brunnen mit Bänken direkt am Start – Trinkwasser prüfen
- Beste Jahreszeit: Frühling und Herbst für Panoramablicke; im Sommer Sonnenschutz einplanen, da viele Abschnitte offen und schattenlos sind
- Anfahrt: Mit dem Auto gut erreichbar; Parkmöglichkeiten am Ausgangspunkt vorhanden
- Einkehr: Keine gastronomische Versorgung direkt am Weg – Proviant selbst mitnehmen
- Fotomomente: Eichentor mit Hügelblick, Schotterweg mit Windrad, Maisfeld-Nahaufnahmen
Wer den Rümmelbach-Humberg-Weg an einem klaren Herbsttag geht – so wie ich –, bekommt ein ehrliches Stück Landschaft: keine Inszenierung, keine Touristeninfrastruktur, dafür weite Blicke, ruhige Wege und einen Boden, der 280 Millionen Jahre Geschichte trägt.
Rümmelbach-Humberg-Weg für dein Zuhause
Meine Aufnahmen von dieser Tour gibt es als Produkte — gedruckt und geliefert von Juniqe.
* Affiliate-Links: Bei einem Kauf erhalte ich eine kleine Provision – für dich ändert sich der Preis nicht.
