Der Hannock – eine Runde, die mit Morgenlicht auf Feldwegen beginnt und mit Panorama über weite Hügelketten belohnt.
Der Hannock – 7,6 km Runde im Biosphärenreservat
Es war kurz nach acht Uhr morgens, als ich in Gersheim-Herbitzheim auf den ersten Asphaltfeldweg einbog. Die Schatten lagen noch lang über den Wiesen, das Licht hatte diese warme, leicht schräge Qualität, die man im frühen Herbst so selten erwischt. Genau richtig für eine Tour wie Der Hannock im Saarpfalz-Kreis – eine Runde, die auf 7,6 km erstaunlich viel Landschaft und Stimmung verpackt.






Der Start: Feldwege, Wegwarte und ein Dorfkirchenturm
Die ersten Meter führen auf einem schmalen Asphaltweg durch offene Wiesen und Felder. Am Wegesrand reckt sich eine zarte blaue Wegwarte-Blüte ins Licht – typisch für diese Übergangszeit zwischen Spätsommer und Herbst, wenn die Wegränder noch einmal aufblühen, bevor das Grün kippt. Kurz darauf lugt ein Kirchturm mit dunkler Spitze über die Baumwipfel – die markante Kirche St. Barbara in Herbitzheim, ein erster Orientierungspunkt. Das Wandermarkierungsschild mit dem Ringlogo klebt an einem efeubedeckten Stamm im Halbschatten: Man ist hier auf der richtigen Spur.
Entlang eines kleinen, zwischen violett blühenden Uferpflanzen eingefassten Wasserlaufs geht es weiter. Solche Feuchtbereiche mit üppigem Bewuchs sind für das Terrain charakteristisch – und ein kurzes Innehalten lohnt sich, um in das Schilf zu horchen.
Das Herzstück: Höhe, Weitsicht, offene Hügellandschaft
Der Weg steigt an. Wer bis hierher durchgehalten hat, wird mit einem der schönsten Panoramen der Tour belohnt: sanft geschwungene Hügel, weite Streifen grüner Wiesen, Baumgruppen in denen sich schon erste Herbsttöne verstecken – und darüber ein strahlend blauer Himmel mit einem einzelnen Kondensstreifen als einzigem Strich. Bild drei dieser Reportage zeigt diesen Moment am besten: keine Dramatik, nur Weite.
Der Hannock selbst ist eine 372 Meter hohe Erhebung im Naturschutzgebiet Südlicher Bliesgau, und vom Kammweg öffnet sich der Blick weit in die Hügelketten. Was kaum jemand weiß: Die Muschelkalkböden genau hier sind ein Eldorado für Wildorchideen. Im Frühsommer wächst auf diesen Kalk-Magerrasen nahezu die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Orchideenarten – die Infotafel am Wegesrand macht darauf aufmerksam und ist mehr als einen kurzen Stopp wert. Im Herbst sieht man davon natürlich nichts mehr, aber man sieht, wie diese offenen, mageren Wiesen gehalten werden – extensiv, ohne Dünger, mit Blick auf die Biodiversität.
Der Rohrentalweiher: ruhigste Stelle der Tour
Bergab dann zum Rohrentalweiher bei Rubenheim – und hier verändert sich die Atmosphäre komplett. Der stille Weiher liegt eingebettet zwischen Schilf und dicht bewachsenen Ufern, ein hölzerner Steg mit grünem Geländer schiebt sich ins Bild. Das Wasser spiegelt die Bäume dahinter, die Hügel dahinter, den Himmel. Kein Wind. Kein Lärm. Genau der richtige Ort für eine Pause mit selbst mitgebrachtem Kaffee. Wer früh startet, hat hier gute Chancen auf Wasservögel im Schilf.
Am Weiher befindet sich direkt die Fischerhütte, und in Rubenheim selbst lohnt noch ein kurzer Abstecher: Das Museum für dörfliche Alltagskultur und das skurrile Museum des Saarländischen Aberglaubens sind zwei Dinge, die kein anderes Bundesland vorweisen kann – ein echter Geheimtipp für alle, die nach der Wanderung noch Lust auf etwas Lokalkolorit haben.
Die Kirche in Rubenheim: markanter Abschluss
Kurz vor dem Ziel passiert man die Kirche in Rubenheim – auf meinen Bildern die weiß verputzte Fassade mit den rot gesandsteinten Rahmungen und dem separaten Uhrturm. Die Sonne stand schon tiefer, das Licht fiel fast senkrecht auf die Südfassade und erzeugte diese kontrastreiche Gegenlicht-Atmosphäre, die Kirchenfotos manchmal fast zu kitschig aussehen lässt. Hier nicht – das Pflasterstraßen-Vorderfeld und der kleine Vorplatz mit dem Steinkreuz halten die Szene geerdet.
Praktische Infos
- Start/Ziel: Gersheim-Herbitzheim, Parkplatz am Bahnhof Gersheim
- Länge: 7,6 km, Rundtour
- Höhenprofil: ca. 235 m Start, höchster Punkt ca. 373 m – zwei nennenswerte An- und Abstiege, gute Grundkondition hilft
- Einkehr: Hotel Bliesbrück mit Biergarten (Gleis 1, Rubenheimer Str. 1) direkt in Herbitzheim; Café Saisonal ebenfalls vor Ort
- Anfahrt: Über die A6, Ausfahrt St. Ingbert-West, dann Richtung Gersheim; Bahnhof Gersheim ist auch mit der Regionalbahn erreichbar
- Ausrüstung: Feste Wanderschuhe für die Abstiege, bei nassem Herbstwetter können Wiesenabschnitte rutschig werden; Fernglas lohnt sich für den Weiher
- Beste Zeit für diese Tour: Frühherbst für das klare Licht und die Panoramasicht; Frühsommer für die legendäre Orchideenblüte auf dem Kalk-Magerrasen
Die Tour ist Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Bliesgau im Saarland – einer Kulturlandschaft, in der Naturschutz und traditionelle Landwirtschaft seit Jahrhunderten Hand in Hand gehen. Wer einmal hier war, versteht sofort warum.
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