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Mistelbirken, weite Äcker, Vereinsmast: Baumberger Aue Wanderung

Die Baumberger Aue Wanderung zeigt, was flache Rheinauen wirklich können – Mistelbirken, Schilf und ein Naturschutzgebiet auf 8,5 km.

Manchmal braucht es keine Berge. Die Entdeckerschleife Baumberger Aue in Monheim am Rhein, Kreis Mettmann, ist so eine Tour – flach, grün, erstaunlich abwechslungsreich und mit einem Naturschutzgebiet, das selbst Ortskundige oft unterschätzen. An einem bedeckten Herbsttag bin ich die 8,5 km gelaufen, und was ich mitgenommen habe, hat mich ehrlich überrascht.

Durch die Auenwälder der Urdenbacher Kämpe

Der Weg beginnt im Ortsteil Baumberg und führt zügig raus ins Grüne. Schon nach wenigen Minuten ist der Asphalt weg – ein gepflasterter Weg schlängelt sich in sattgrünes Auengelände, rechts und links Bäume, deren Äste sich über den Pfad wölben. Dann öffnet sich der Weg auf einen breiten Schotterstreifen, der bequem breit genug für Wanderer und Radfahrer ist. Die Vegetation drückt von beiden Seiten heran: Weiden, Erlen, dazwischen immer wieder Schilfrohre, die im Wind rauschen.

Ein Holzsteg mit kleiner Aussichtsplattform führt über ein Gewässer – hier lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben und ins Schilf zu schauen. Im Herbst ist das Licht diffus, fast schon samtig, und die Farben sind trotzdem satt. Wer früh morgens hier ist, erlebt den Auenpfad im Gegenlicht – das ist nochmal eine andere Qualität.

Drüsiges Springkraut und Mistelkugeln

Kurz nach dem Steg säumen dichte Bestände von Drüsigem Springkraut den Weg – rosa-violette Blüten, die im Spätsommer und frühen Herbst regelrecht explodieren. Das ist botanisch nicht unproblematisch (die Art ist invasiv), aber fotografisch ein Fest. Direkt dahinter kommt einer der unerwarteten Höhepunkte der Tour: eine alte Birke, deren Krone ich spontan fotografiert habe, weil ich die kugelförmigen Mistelnester zunächst für Vogelnester hielt. Beim Näherkommen war klar: Das sind Misteln, gleich ein halbes Dutzend davon, verteilt über die Äste wie grüne Lampions. Im Winter ohne Laub sollen sie noch eindrucksvoller wirken – merke ich mir für einen zweiten Besuch.

Die Urdenbacher Kämpe, durch die der mittlere Teil der Tour führt, ist ein bedeutendes Naturschutzgebiet direkt am Rhein – es zieht sich über die Gemarkung von Baumberg und dem Düsseldorfer Ortsteil Urdenbach. Entlang der alten Kopfweiden, deren Höhlungen dem seltenen Steinkauz als Unterschlupf dienen, hat man das Gefühl, weit weg zu sein – dabei liegt die nächste S-Bahn-Haltestelle keine zwei Kilometer entfernt. Das ist in Nordrhein-Westfalen nicht selbstverständlich.

Weite Ackerfelder und der Vereinsmast von Baumberg

Im weiteren Verlauf wechselt die Landschaft: Die Aue weicht offenen Feldern. Ein großes Ackerfeld öffnet sich, begrenzt von einer Baumreihe am Horizont – die Komposition ist fast klassisch, mit rahmenden Ästen links und rechts im Bildvordergrund. Dann, beim Eintritt zurück in den Ort, wartet eine echte Kuriosität: ein Vereinsmast mit einem guten Dutzend Schilder, die das ganze Spektrum des Baumberger Gemeinschaftslebens zeigen – Schachclub, Frauenchor, Katholische Jugend, Rhein-Rock e.V. und einige mehr. Das ist kein Touristen-Schmuck, das ist echter Ort.

Praktische Infos

  • Länge: 8,5 km, kaum Höhenunterschied (39–51 m), leicht
  • Start: Baumberg, Ortsteil von Monheim am Rhein; Parkmöglichkeit an der Hauptstraße oder am offiziellen Startpunkt (Klappertorstraße 47)
  • Anreise ÖPNV: S-Bahn bis Langenfeld oder Leverkusen, dann Bus Richtung Baumberg – gut erreichbar
  • Einkehr: In Baumberg gibt es die Rheinterrassen direkt am Startpunkt sowie die Gastronomie im Ortskern; das historische Haus Bürgel (ehemaliges Römerkastell, heute mit Museum und Biologischer Station) liegt ebenfalls auf der Strecke und bietet gelegentlich Führungen
  • Ausrüstung: Festes Schuhwerk bei Nässe empfohlen – die Schotterwege können nach Regen matschig werden; ansonsten keine besonderen Anforderungen
  • Beste Zeit: Ganzjährig begehbar; Frühsommer für Springkraut-Blüte, Winter für freigestellte Mistelkugeln in den kahlen Birken

Fazit

Die Entdeckerschleife Baumberger Aue ist keine Spektakel-Tour – aber eine, die beim genauen Hinschauen belohnt. Mistelnester, Steinkauzhöhlen in alten Kopfweiden, ein Naturschutzgebiet mit Rheinanbindung und ein Vereinsmast, der mehr über Baumberg erzählt als jeder Reiseführer. Wer ruhige Auenlandschaft sucht und trotzdem schnell wieder in der Stadt sein will, ist hier richtig.

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