Der Itzenplitzer Pingenpfad führt durch alte Bergbautrichter, dichten Laubwald und direkt an einen Stausee mit einem Türmchen, das man kaum glauben kann.
Mitten im ehemaligen Steinkohlenrevier, zwischen Schacht, Wald und stillem Wasser, liegt einer der überraschendsten Wege, die ich in letzter Zeit gegangen bin. Der Itzenplitzer Pingenpfad bei Schiffweiler im Landkreis Neunkirchen ist offiziell als Premiumwanderweg zertifiziert – und das völlig zu Recht.








Was dich auf den 8 km erwartet
Der Rundweg ist 8 km lang und führt dich durch ein Waldgebiet, das auf den ersten Blick ganz gewöhnlich wirkt. Dann siehst du die Pingen: muldenförmige Einbrüche im Boden, manchmal einen Meter tief, manchmal so groß wie ein Wohnzimmer. Über 300 solcher Trichter sollen sich im Waldstück befinden – Zeugnisse aus der Zeit, als Steinkohle noch oberirdisch abgebaut wurde, bevor man in die Tiefe ging. Zwischen den Pingen schlängelt sich ein schmaler Erdpfad, der Laubschicht als Belag hat und nach Regen ein bisschen rutschig werden kann. Gutes Schuhwerk ist kein Luxus hier.
Der Weg führt dann hinunter zum Itzenplitzer Weiher, einem Naturschutzgebiet mit ruhigen Feuchtbiotopen und einer ordentlichen Vogelwelt. Am Mittag, als ich dort ankam, lag das Wasser fast vollkommen still – ein perfekter Spiegel für den herbstlichen Mischwald am gegenüberliegenden Ufer.
Das Herzstück: der historische Entnahmeturm
Und dann steht er da: ein kleines Türmchen mitten im Wasser, blaugrau verputzt, mit einem Schieferdach, einem goldenen Zierknauf und – man reibt sich kurz die Augen – einem Balkon voller blühender Geranien. Das Pumpenhaus am Itzenplitzer Weiher wurde 1878/79 errichtet, um die Dampfmaschinen der umliegenden Gruben mit Wasser zu versorgen. Die heutige Form stammt aus dem Jahr 1908 und gilt als Unikat im deutschen Bergbau. Vom Damm aus hast du den besten Blick auf die Symmetrie des Baus, mit dem stillen Wasserspiegel davor. Durch herbstlich leuchtend rotes Laub fotografiert, wirkt der Turm fast unwirklich – wie eine Kulisse, nicht wie ein technisches Denkmal.
Etwas weiter am Ufer, durch das Geäst der Birken hindurch, sieht man das Türmchen von der anderen Seite – kleiner, in die Landschaft eingebettet, umrahmt von Wald. Beide Perspektiven lohnen sich, und wer eine Kamera dabei hat, wird hier länger stehenbleiben als geplant.
Industriedenkmal Grube Itzenplitz
Wer nach dem Weiher noch Energie hat: Das Gelände der Grube Itzenplitz liegt in der Nähe. Die Fördergerüste der Schächte 2 und 3, das Maschinenhaus, die Waschkaue und der Grubenbahnhof stehen unter Denkmalschutz. Die Grube wurde 1960 stillgelegt – heute ist sie ein eindrucksvolles Industriedenkmal, das zeigt, wie tief der Bergbau in die Landschaft hier eingegraben ist, buchstäblich und im übertragenen Sinne.
Praktische Infos
- Start/Ziel: Parkplatz Itzenplitzer Weiher, Weiherstraße, Schiffweiler (kostenlos)
- Anfahrt: Mit dem Auto über die B41 Richtung Schiffweiler; mit der Bahn bis Bahnhof Bildstock, dann ca. 15 Minuten Fußweg
- Länge: 8 km, Rundweg, ca. 2,5–3 Stunden
- Schwierigkeit: Moderat – hügelig, schmale Pfade, kein extremes Gelände
- Einkehr: Gaststätte Alt-Steigershaus liegt auf dem Weg; die Fischerhütte am Weiher ist eine weitere Option (mittwochs geschlossen)
- Besonderheit: An mehreren Stationen kannst du dir Audioinhalte zur Bergbaugeschichte anhören – wahlweise auf Hochdeutsch oder auf Saarländisch Platt
- Ausrüstung: Feste Wanderschuhe, bei Nässe unbedingt griffige Sohlen; die Pfade zwischen den Pingen können nach Regen schlüpfrig sein
Wann lohnt sich die Tour am meisten?
Anfang Oktober ist schlicht ideal: Das Laub wechselt gerade die Farbe, ohne schon zu fallen. Das Licht zur Mittagszeit ist weich und diffus unter bedecktem Himmel – kein hartes Gegenlicht, keine Schatten, die die Strukturen im Wald zerstören. Der Entnahmeturm mit seinem hellen Putz kommt in diesem Licht besonders gut zur Geltung. Wer früh morgens kommt, kann außerdem auf Nebelfetzen über dem Weiher hoffen, die dem ohnehin schon geheimnisvollen Pingenfeld eine fast surreale Stimmung geben. Ein Geheimtipp für Fotografen: An der Südseite des Weihers wachsen alte Birken direkt am Ufer – ihr weißes Stämmchengeflecht rahmt den Blick auf den Turm auf eine Weise, die kein anderer Standpunkt entlang des Weges bietet.
Wer im Saarland wandert und bisher nur die üblichen Verdächtigen kennt, sollte dem Itzenplitzer Pingenpfad eine Chance geben. Er ist kurz genug für einen entspannten Halbtagsausflug und dicht genug an Geschichte, Natur und unerwarteten Bildern, um lange nachzuwirken.
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