Der Skulpturenweg Cerda Celtoi führt durch feuchten Herbstwald, über ein wildes Felsenmeer – und lässt Jahrtausende keltischer Geschichte spürbar werden.
Zwischen Mooswald und Steinmeer: Was dich auf dieser Runde erwartet
Kaum bist du in den Wald eingetaucht, merkst du: Hier passiert etwas mit dir. Schon die ersten Schritte auf dem Keltischen Skulpturenweg Cerda Celtoi bei Nonnweiler, Landkreis St. Wendel, haben nichts mit einem gewöhnlichen Waldspaziergang zu tun. Der Boden ist feucht, das Moos leuchtet in einem tiefen Grün, das selbst an trüben Herbstmorgen fast unwirklich wirkt. Buchecker liegen aufgeplatzt zwischen Polstern aus Sternmoos, braune Blätter kleben nass auf dem Waldboden. Das Licht fällt diffus durch das Laubdach – gedämpft, still, irgendwie konzentriert.









Die Strecke misst 3,8 km und überwindet dabei gut 120 Höhenmeter – vom Start bei etwa 502 m geht es hinauf bis auf rund 627 m. Kurz, aber kein Spazierweg: Das Gelände wechselt abrupt, und gerade der mittlere Abschnitt auf dem Felsenmeer verlangt volle Aufmerksamkeit.
Durch den Mooswald – die ersten Schritte
Der Einstieg führt durch tiefen Laubmischwald. Wer langsam geht und den Blick nach unten richtet, entdeckt eine Mikrowelt: Moosrosetten auf dunkler Baumrinde, leuchtend grüne Polster an mächtigen Buchenstämmen, feine Details, die man sonst einfach übersieht. Ich hab hier mindestens zwanzig Minuten mehr gebraucht als geplant – einfach weil der Waldboden so viel zu erzählen hat. Das gehört zu diesem Weg dazu.
Irgendwo zwischen den Bäumen tauchen sie auf: die Skulpturen des Projekts Cerda & Celtoi. 18 zeitgenössische Künstler aus 15 europäischen Staaten haben zwischen 2005 und 2007 Werke geschaffen, die Keltisches mit Gegenwartskunst verbinden – vorwiegend aus regionalem Sandstein, aber auch aus Holz und Eisen. Man stolpert fast über sie, so natürlich wirken sie im Wald. Ein moderner Runenstein hier, ein steinernes Herz dort. Man muss schauen, um sie zu sehen.
Das Felsenmeer – Trittsicherheit ist Pflicht
Dann kommt das Stück, das diese Wanderung wirklich unverwechselbar macht: das Felsenmeer. Kantige, grau-grüne Steine, so weit das Auge reicht, dazwischen ein schmaler Pfad – oder manchmal auch keiner. Von hier oben öffnet sich der Blick ins Tal, und im Hintergrund stehen die weißen Windräder in einer Reihe. Dieser Kontrast – uraltes Quarzitgestein, moderne Energieanlage – ist ein echtes Bildmotiv, und ich hab das Stativ mehr als einmal aufgebaut.
Ein paar Schritte weiter bietet der Hang einen Weitblick ins Saarland, der bei klarem Herbstwetter weit trägt. Langsam traversieren ist hier das Gebot: Das kantige Gestein lässt sich nicht erahnen, sondern muss ertastet werden. Festes Schuhwerk ist kein optionaler Tipp, sondern echte Voraussetzung.
Der Ringwall – Geschichte unter Laubdach
Am oberen Ende des Felsenmeers öffnet sich der Weg wieder in ruhigeren Wald. Breite Buchen flankieren den Pfad, das Licht streift schräg durch das Herbstlaub. Wer weiß, worüber er läuft, geht hier langsamer: Dieser Bereich gehört zum Umfeld des Hunnenrings, einem der bedeutendsten keltischen Ringwälle nördlich der Alpen. Die mächtigen Steinwälle, die einst das Plateau sicherten, sind heute noch sichtbar – als lange, baumbestandene Rücken im Wald, die sich vom normalen Boden deutlich abheben. An Infotafeln entlang des Weges lässt sich nachlesen, wie das Leben hier vor mehr als 2000 Jahren ausgesehen haben könnte.
Praktische Infos für die Tour
- Startpunkt & Parken: Der Waldparkplatz an der Ringwallstraße in Nonnweiler-Otzenhausen ist kostenlos und direkt am Wegbeginn. Alternativ: Parkplatz an der Europäischen Akademie Otzenhausen, Europahausstraße 35.
- Anfahrt: Über die A1 Richtung Trier, Abfahrt Nonnweiler, dann Richtung Otzenhausen.
- Ausrüstung: Festes Wanderschuhwerk ist Pflicht – besonders auf dem Felsenmeer. Im Herbst ist der Waldboden rutschig. Stöcke helfen beim Abstieg.
- Einkehr: In Otzenhausen gibt es eine Gastwirtschaft; alternativ bietet die Europäische Akademie Otzenhausen manchmal Café-Betrieb an – vorher prüfen.
- Beste Jahreszeit für Fotos: Herbst und Frühsommer. Im Herbst leuchtet das Moos, das Felsenmeer zeigt sich ohne dichtes Laub, und die Weitblicke sind klar. Abends zwischen 17 und 18 Uhr taucht das letzte Licht die Buchenwälder in goldene Streifen.
- Mit Kindern: Die Skulpturen sind ein echter Magnet – wer die Tour langsam angeht und Zeit zum Suchen lässt, kann Kinder gut mitnehmen. Das Felsenmeer erfordert aber Trittsicherheit auch bei den Kleinen.
Fazit
3,8 km, die sich deutlich länger anfühlen – im besten Sinne. Wer langsam geht, genau schaut und sich von den Skulpturen aufhalten lässt, erlebt auf dem Skulpturenweg Cerda Celtoi eine Tour, die Geschichte, Kunst und Natur auf engstem Raum verbindet. Das Felsenmeer allein ist den Weg wert. Der Rest ist Zugabe.
Übernachte in der Region – Ferienwohnungen rund um St. Wendel.
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